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Frankfurt am Main Reisemagazin – Skyline, Äppelwoi und viel mehr als nur ein Zwischenstopp
Millionen Menschen passieren jedes Jahr den Frankfurter Flughafen. Deutlich weniger nehmen sich die Zeit, die Stadt dahinter kennenzulernen. Frankfurt ist kompakt, erstaunlich grün und viel geselliger, als das Bild der internationalen Finanzmetropole vermuten lässt. Jahrhunderte des Handels, der Messen und des internationalen Austauschs haben eine Stadt geprägt, die sich außerhalb des Bankenviertels fast wie eine Ansammlung eigenständiger Viertel anfühlt. Die Skyline liefert die bekannten Bilder. Das eigentliche Frankfurt beginnt dort, wo man in die Stadtteile eintaucht.
Experteneinblicke von Lassi Pensikkala
Ich habe in Frankfurt gelebt und gearbeitet, unter anderem bei Bankers Trust mitten in der internationalen Bankenwelt. Aus dieser Perspektive konnte leicht der Eindruck entstehen, das Finanzviertel sei die ganze Stadt. Das ist es nicht. Geht man von den Bürotürmen fünfzehn Minuten in fast irgendeine Richtung, verändert sich Frankfurt erstaunlich schnell. Glastürme weichen Gründerzeitvillen, Wohnstraßen, Parks und Apfelweinwirtschaften, in denen die Unterhaltung am Tisch manchmal wichtiger ist als die Speisekarte.
Gerade darin liegt für mich eine der interessantesten Seiten Frankfurts. Die Stadt ist international, geschäftig und wirtschaftlich bedeutend, ohne ihren lokalen Charakter vollständig verloren zu haben. Wer nur zwischen Flughafen, Hauptbahnhof, Messe und Bankenviertel unterwegs ist, sieht zwar ein echtes Stück Frankfurt, aber eben nur eines. Westend, Bockenheim, Sachsenhausen oder Ostend erzählen jeweils eine andere Geschichte.
Frankfurt lohnt sich deshalb besonders für Reisende, die der Stadt zwei, drei oder vier Tage geben und sie nicht lediglich als Zwischenstopp betrachten. Man sollte hier nicht nur Sehenswürdigkeiten abhaken, sondern Viertel erleben, am Main entlanggehen und sich auch einmal in eine traditionelle Wirtschaft setzen. Dann wird aus der scheinbar nüchternen Finanzmetropole eine überraschend persönliche Stadt.
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8 Erlebnisse, die Sie nicht verpassen sollten
Sachsenhausen und die Äppelwoi-Kultur
Frankfurts Apfelweinkultur ist in Sachsenhausen bis heute lebendig. An langen Holztischen gehören Äppelwoi aus dem Bembel, Handkäs mit Musik und Gespräche mit anderen Gästen ganz selbstverständlich zusammen. Alt-Sachsenhausen wird abends lebhaft und zieht viele Besucher an. Wer es etwas ruhiger und lokaler mag, sollte auch durch das benachbarte Brückenviertel mit seinen kleinen Geschäften, Cafés und weniger touristischen Straßen gehen.
Die Gründerzeit-Eleganz des Westends
Das Westend beginnt praktisch neben dem Bankenviertel und wirkt dennoch wie eine andere Welt. Breite, von Bäumen gesäumte Straßen, repräsentative Gründerzeitvillen und elegante Wohnhäuser erinnern an ein älteres, bürgerliches Frankfurt. Der Palmengarten liegt nur wenige Minuten entfernt, ebenso der weitläufige Grüneburgpark. Kaum irgendwo wird der ungewöhnliche Kontrast zwischen internationalem Finanzzentrum und überraschend grünem Wohnviertel deutlicher.
Bockenheims Straßen und studentische Vergangenheit
Bockenheim war lange eng mit dem historischen Campus der Goethe-Universität verbunden und hat sich eine lockerere, alltäglichere Atmosphäre bewahrt. Rund um die Leipziger Straße finden sich Cafés, Restaurants und kleine Geschäfte; die Bockenheimer Warte bleibt ein markanter Orientierungspunkt. Für Besucher ist das Viertel interessant, weil es zeigt, wie Frankfurt abseits der großen Sehenswürdigkeiten und internationalen Geschäftsadressen tatsächlich lebt.
Ostend und die Europäische Zentralbank
Das Ostend steht für das Frankfurt im Wandel. Die markante Zentrale der Europäischen Zentralbank prägt heute das Bild, während sich rund um Osthafen und Hanauer Landstraße ehemalige Gewerbe- und Industrieflächen verändert haben. Büros, Wohnungen, Gastronomie und neue Unternehmen stehen neben Spuren des alten Viertels. Das Ostend wirkt weder wie das elegante Westend noch wie Sachsenhausen – und gerade deshalb gehört es zum modernen Frankfurt.
Römerberg und Neue Altstadt
Der Römerberg ist das historische und symbolische Zentrum Frankfurts. Der Römer, die rekonstruierten Fassaden und die benachbarte Neue Altstadt vermitteln zumindest einen Eindruck davon, wie stark die Geschichte der Stadt vor ihrer modernen Skyline war. Vieles ist Rekonstruktion und sollte auch so verstanden werden. Dennoch hilft dieser Teil Frankfurts, die mittelalterliche Handels- und Kaiserstadt hinter der heutigen Finanzmetropole zu erkennen.
Mehr als 800 Jahre Messetradition
Frankfurt ist nicht erst seit der modernen Messewirtschaft eine internationale Geschäftsstadt. Die Messetradition reicht mehr als 800 Jahre zurück. Heute bringen Ambiente, Automechanika, Heimtextil, Light + Building und ISH Besucher aus aller Welt in die Stadt. Hinzu kommt die Frankfurter Buchmesse als internationales Zentrum der Verlagswelt. Mehr dazu in unseren Einblicken zu Deutschlands Messen und Geschäftsreisen↗.
Mainufer und Frankfurter Grüngürtel
Wer Frankfurt nur mit Hochhäusern verbindet, unterschätzt den grünen Charakter der Stadt. Die Mainufer verbinden Museen, Parks und verschiedene Viertel und gehören zu den angenehmsten Strecken für einen Spaziergang. Dazu kommt der Grüngürtel rund um die Stadt. Palmengarten, Grüneburgpark und zahlreiche kleinere Grünanlagen sorgen dafür, dass man selbst aus dem Bankenviertel erstaunlich schnell im Grünen sein kann.
Die internationale Skyline
Natürlich gehört auch die Skyline zu Frankfurt. Besonders vom südlichen Mainufer lässt sich „Mainhattan“ gut überblicken. Interessanter wird das Panorama, wenn man versteht, dass die Hochhäuser nur die jüngste sichtbare Schicht einer sehr viel älteren Handelsstadt sind. Frankfurts Finanzrolle entstand aus Jahrhunderten von Handel, Banken, Messen und internationalem Austausch. Die moderne Skyline ist deshalb weniger Fremdkörper als Fortsetzung dieser Geschichte.
Praktischer Reiseplaner
Die Wahl des Viertels beeinflusst das Frankfurt-Erlebnis deutlich. Für Messe- und Geschäftsreisende ist das Westend besonders praktisch, während Innenstadt und Opernplatz kurze Wege zu vielen zentralen Sehenswürdigkeiten bieten. Sachsenhausen eignet sich für Reisende, die abends gerne zu Fuß in traditionelle Lokale gehen. Ostend zeigt das modernere Frankfurt. Das Bahnhofsviertel ist äußerst zentral und gastronomisch vielfältig, wirkt in einzelnen Straßen jedoch deutlich rauer. Wer Ruhe sucht, sollte dort das Hotel sorgfältig auswählen.
Touren & Aktivitäten
Apfelwein, Altstadtführungen, Mainfahrten und Ausflüge ins Rheintal
Geheimtipp der Einheimischen
Beschränken Sie Sachsenhausen nicht auf die belebtesten Straßen von Alt-Sachsenhausen. Gehen Sie weiter in die ruhigeren Straßen und ins Brückenviertel. Dort zeigen kleinere Apfelweinwirtschaften, Cafés und inhabergeführte Geschäfte ein alltäglicheres Frankfurt. Bestellen Sie einen Bembel Äppelwoi und vielleicht Handkäs mit Musik – und bleiben Sie eine Weile sitzen. In einer traditionellen Frankfurter Wirtschaft geht es nicht nur ums Essen und Trinken, sondern ebenso um das Zusammensitzen und Reden. Gerade diese unkomplizierte Geselligkeit überrascht Besucher, die eine eher distanzierte Bankenstadt erwarten. Einige der besten Frankfurter Erlebnisse brauchen keine berühmte Sehenswürdigkeit.
Die Seele von Frankfurt am Main
Frankfurts Identität entstand lange vor den Hochhäusern. Die Lage am Main machte die Stadt zu einem natürlichen Treffpunkt für Händler, und ihre Messetradition reicht mehr als acht Jahrhunderte zurück. Als Freie Reichsstadt war Frankfurt eng mit Kaiserwahlen und Krönungen verbunden. Handel, Geldgeschäfte und internationaler Austausch wurden dabei nicht irgendwann zu einem modernen Zusatz, sondern gehörten schon früh zum Wesen der Stadt. Goethe wurde hier geboren, und auch die bedeutende jüdische Geschichte Frankfurts ist unverzichtbar, wenn man die kulturelle Erinnerung der Stadt verstehen möchte.
Der Zweite Weltkrieg zerstörte große Teile des historischen Zentrums. Frankfurt entschied sich nach dem Krieg nicht dafür, seine Vergangenheit flächendeckend zu rekonstruieren. Die Stadt entwickelte sich bewusst zu einem modernen Wirtschafts- und Verkehrszentrum. Erst spätere Projekte, darunter die rekonstruierten Fassaden am Römerberg und die Neue Altstadt, brachten Teile des historischen Stadtbildes zurück. Genau diese Spannung zwischen Erinnerung und Neuerfindung ist heute überall zu spüren.
Das moderne Frankfurt wurde zum wichtigsten Finanzplatz Deutschlands und später zum Sitz der Europäischen Zentralbank. Doch Banken sind nur ein Kapitel einer viel älteren Geschichte. Messen, Einwanderung, Universitäten, Verlage, Handel und internationale Unternehmen brachten über Generationen Menschen aus anderen Regionen und Ländern in die Stadt. Viele blieben. Diese Internationalität ist deshalb kein touristisches Schlagwort, sondern Teil des Frankfurter Alltags.
Nach meiner eigenen Erfahrung sind Frankfurter oft überraschend offen, direkt und unkompliziert im Kontakt – anders, als man es von außen vielleicht von einer Finanzmetropole erwartet. Das eigentliche Frankfurt liegt in seinen Gegensätzen: internationale Banken neben der Kneipe im Viertel, Wolkenkratzer neben Gründerzeitvillen, Weltmessen neben einem Bembel Äppelwoi. Wer diese Kontraste versteht, entdeckt eine Stadt, die sehr viel mehr ist als Flughafen, Finanzzentrum oder Zwischenstopp.
Was Sie vermeiden sollten
Beurteilen Sie Frankfurt nicht nach dem Flughafen, der Skyline oder einem einzigen Abend in Alt-Sachsenhausen. Die Stadt erschließt sich besser über ihre Viertel. Auch beim Bahnhofsviertel lohnt sich eine realistische Erwartung: Es ist äußerst zentral, international und gastronomisch spannend, gleichzeitig wirken manche Straßen besonders am Abend rau. Wer eine ruhigere Umgebung bevorzugt, ist im Westend, in Teilen der Innenstadt oder in Sachsenhausen häufig besser aufgehoben. Messebesucher sollten außerdem vermeiden, ihre gesamte Reise zwischen Hotel und Messegelände zu verbringen. Selbst während eines vollen Messetages reichen ein paar freie Stunden in Westend, Bockenheim oder Sachsenhausen, um ein völlig anderes Frankfurt kennenzulernen.
Planung Ihrer Reise
Frankfurt lässt sich ganzjährig besuchen. Besonders angenehm sind spätes Frühjahr bis früher Herbst, wenn Palmengarten, Grüneburgpark und Mainufer einen zusätzlichen Grund bieten, viel zu Fuß unterwegs zu sein. Der Flughafen Frankfurt (FRA) ist eines der wichtigsten internationalen Drehkreuze Europas und hervorragend mit der Innenstadt verbunden. Innerhalb der Stadt funktionieren U-Bahn, S-Bahn und Straßenbahn zuverlässig; für einen normalen Städtetrip ist ein Auto nicht notwendig.
Drei bis vier Tage sind ideal, wenn Sie neben Römerberg und Altstadt auch Sachsenhausen, Westend, Bockenheim oder Ostend kennenlernen möchten. Geschäftsreisende auf der Messe sollten mindestens einen freien Abend oder besser einen zusätzlichen Tag einplanen. Während großer Veranstaltungen wie Ambiente, Heimtextil, Automechanika, ISH, Light + Building oder der Frankfurter Buchmesse können Hotelpreise deutlich steigen. Eine frühe Reservierung ist dann besonders wichtig.
Für eine längere Deutschlandreise finden Sie weitere Ideen in unserem Deutschland-Reiseführer mit Städten, Geschichte, Schlössern, Essen und Wein↗. Bei internationalen Reisen empfiehlt es sich außerdem, den Reiseversicherungsschutz↗ vor der Abreise zu prüfen und die wichtigsten internationalen Notrufnummern↗ griffbereit zu haben.
So sieht es wirklich aus
Auf Fotos lässt die Skyline Frankfurt wie eine wesentlich größere Metropole erscheinen. Im Alltag wirkt die Stadt überraschend kompakt. Innerhalb von zwanzig Minuten gelangt man von Bürotürmen zu Gründerzeitvillen, Parks, Wohnstraßen oder an einen Tisch in einer Apfelweinwirtschaft. Frankfurt ist nicht überall herausgeputzt und versucht auch nicht, jede raue Ecke zu verstecken. Gerade die Mischung aus Finanzwelt, normalem Viertelleben, historischen Rekonstruktionen, viel Grün und internationalen Einflüssen lässt die Stadt authentisch und nicht wie eine Kulisse für Besucher wirken.
Weitere Reiseführer
Deutschland-Reiseführer – Städte, Geschichte, Schlösser, Essen und Wein↗
Deutschland – Messen und Business Travel Insights↗
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Tage sollte man für Frankfurt einplanen?
Drei bis vier Tage sind eine gute Wahl. So bleibt neben Altstadt, Römerberg, Sachsenhausen und Mainufer genügend Zeit für Viertel wie Westend, Bockenheim oder Ostend. Wer wegen einer großen Messe nach Frankfurt reist, sollte möglichst einen zusätzlichen Tag einplanen, damit die Stadt nicht nur aus Messegelände und Hotel besteht.
Kann man Frankfurt gut zu Fuß erkunden?
Ja. Frankfurt ist wesentlich kompakter, als die Skyline vermuten lässt. Innenstadt, Westend, Mainufer und Sachsenhausen lassen sich gut miteinander verbinden. Für Bockenheim, Ostend oder weiter entfernte Ziele stehen U-Bahn, S-Bahn und Straßenbahn zur Verfügung. Für einen klassischen Frankfurt-Städtetrip benötigen die meisten Besucher keinen Mietwagen.
Was ist Äppelwoi und wo sollte man ihn probieren?
Äppelwoi ist der Frankfurter Name für Apfelwein und gehört zu den bekanntesten kulinarischen Traditionen der Stadt. Klassisch wird er aus einem Bembel ausgeschenkt. Sachsenhausen ist der bekannteste Ort zum Probieren, idealerweise in einer traditionellen Apfelweinwirtschaft zusammen mit regionalen Spezialitäten wie Handkäs mit Musik oder Frankfurter Grüner Soße.
Ist das Bahnhofsviertel eine gute Gegend zum Übernachten?
Das Bahnhofsviertel ist äußerst zentral, international und bietet viele interessante Restaurants. Gleichzeitig können einzelne Straßen, besonders am Abend, rau wirken. Für erfahrene Städtereisende kann die Lage sehr praktisch sein. Wer sich eine ruhigere Wohnumgebung wünscht, sollte eher Hotels im Westend, in der Innenstadt oder in Sachsenhausen prüfen.
Lohnt sich Frankfurt auch ohne Geschäftsreise?
Auf jeden Fall. Banken, Messe und Flughafen prägen Frankfurts internationales Image, bilden aber nur einen Teil der Stadt. Museen, Mainufer, Parks, historische Orte, unterschiedliche Viertel und die Apfelweinkultur machen Frankfurt auch für eine private Städtereise interessant. Der häufigste Fehler besteht darin, Frankfurt lediglich als Umsteigepunkt oder Geschäftsreiseziel zu betrachten.
Herzliche Grüße,

Lassi Pensikkala
Reiseexperte & Reiseautor
Aktualisiert 2026 · © Lassi Pensikkala
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